Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule: Was du jetzt tun musst

23. Juni 2017

„Das Internet sagt ich habe wahrscheinlich einen „Bandscheibenvorfall LWS“ – was auch immer das sein soll…“

„Mein Arzt meint ich habe eine lumbale Verletzung – ich habe aber schon wieder vergessen was das ist, ich hoffe es ist nichts Schlimmes!“

Wenn du dich gerade diese oder vergleichbare Sätze und Fragen murmeln hörst, bist du in diesem Artikel goldrichtig.

Denn in diesem Artikel geht es um Bandscheibenvorfälle im LWS – Bereich. Was das ist und wie es jetzt weitergeht, damit setzen wir uns im Folgenden auseinander.

Wenn du mehr zu diesem Thema generell wissen möchtest, empfehle ich dir meinen Übersichtsartikel zum Thema Bandscheibenvorfälle. Wenn du mehr zu Bandscheibenvorfällen der BWS oder der HWS wissen möchtest, bist du hier(Bandscheibenvorfälle der BWS) bzw. hier (Bandscheibenvorfälle der HWS) richtig.

In diesem Artikel erfährst du u.a. folgendes:

  • Wofür steht „LWS“? Und was bedeutet „lumbal“?
  • Unterscheiden sich die Bandscheiben der LWS von den anderen? Und wenn ja, wie?
  • Was sind die besten Übungen für einen „Bandscheibenvorfall LWS“?
  • Wie sieht die Therapie dabei aus?
Artikelserie zum Thema Bandscheibenvorfall

Wofür steht das „LWS“ in „Bandscheibenvorfall LWS“?

Bandscheibenvorfall LWSLWS steht für das L, das W und das S in „Lenden-Wirbel-Säule“.

Es ist also keine klassische kryptische Abkürzung von eloquenten Medizinern sondern vielmehr eine reine Zusammenfassung zum Vereinfachen.
Die Lendenwirbelsäule erstreckt sich dabei über die 5 unteren Wirbel welche noch Bandscheiben einschließen.

Sie umfasst damit ungefähr das untere Fünftel deiner Wirbelsäule.

Verletzungen in diesem Bereich werden auch lumbaler Bandscheibenschaden- oder Vorfall genannt.
Dabei meint „lumbal“ „zum Lendenbereich gehörig“ oder „die Lende betreffend“, da es dem lateinischen „lumbus“, „Lende“ entspringt.
Über 90% aller Bandscheibenvorfälle betreffen diesen Bereich. Der Bandscheibenvorfall LWS ist also mit großer Wahrscheinlichkeit der, der dich erwischt hat.

Die meisten Patienten erleiden hier einen Bandscheibenvorfall im Alter von 30 bis etwa 50 Jahren.

Wie kommt es zum LWS Bandscheibenvorfall?

Ein LWS-Bandscheibenvorfall hat prinzipiell die gleichen Ursachen wie jeder andere Bandscheibenvorfall. Konkret kann man dies auf zwei Punkte herunterbrechen:

  1. Es sind bereits (kleine) Einrisse im Faserring der Bandscheibe vorhanden. Nur dadurch kann überhaupt Gallertmasse des Kerns austreten. Da diese Risse vor allem durch Aktivität und Degeneration auftreten, sind Bandscheibenvorfälle der LWS bei unter 20-jährigen sehr selten.
  2. Zweitens muss die Bandscheibe selbst noch ausreichend „Quelldruck“, dass bedeutet Ausbreitungszwang beim vollsaugen besitzen. Nur so kann das Material durch die Risse austreten. Da dieser Mechanismus bei vielen Menschen über 70 nicht mehr funktioniert, schließt sich der Symptom-Korridor hier von oben.

Deshalb ist diese Art des Bandscheibenvorfalls im Großteil der Fälle eine Verletzung des „mittleren Alters“.

Was sind die Symptome vom Bandscheibenvorfall LWS?

Bei Bandscheibenvorfällen sind Symptome oftmals von der Art der Verletzung abhängig.

Wenn Teile des Gallertkerns zentral austreten, (ventral & dorsal) führt dies oft direkt zu lokal auftretenden Beschwerden. Symptomatisch dafür sind Schutzhaltungen die eingenommen werden deshalb.

Seitlich, also lateral, austretende Teile des Gallertkerns drückt oftmals auf die Nervenwurzeln und führt so vor allem zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen in den Gliedern.

Allerdings kommen Lähmungen fast nur bei schweren oder schlecht verorteten Vorfällen vor.

Ein Sonderfall dieser speziellen Umstände ist der so genannte „Massenvorfall„. Bei diesem wird der Großteil / alles vom Wirbelkanal durch austretendes Gewebe ausgefüllt. Diese Blockade der normalen Funktionen führt zu einer Mischung der oben genannten Symptome und reicht bis zum Kontrollverlust über Blase und Darm.

In diesem Notfall solle definitiv schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden!

Am häufigsten beim Bandscheibenvorfall LWS sind die untersten Beweglichen Teile der Wirbelsäule betroffen. Diese umfassen:

  1. Den Abschnitt zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel L4 und L5 (Charakteristisch hierfür sind Schmerzen in den Oberschenkelinnenseiten)
  2. Das Segment zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem ersten Wirbel des beginnenden Kreuzbeins L5 und S1 (Hierbei strahlen Schmerzen oftmals in Fersen und kleine Zehen)

Dies passiert, da diese beiden Bereiche bei körperlicher Arbeit und Sport permanent und stark belastet werden.

Wie verläuft die Diagnose bei einem LWS Bandscheibenvorfall?

Die Diagnose ist bei einem lumbalen Bandscheibenvorfall nicht das Problem.
Dank moderner Technologie in Kombination mit Routine und Expertise des Arztes kann dieser ziemlich exakt bestimmt werden.

Das Problem sind die oben genannten Symptome und deren Verknüpfung zu einem schlüssigen Gesamtbild.

Da die Symptome zahlreich und in Ihrer Intensität unterschiedlich sein können, ist es wichtig diese so genau wie möglich zu bestimmen und zu dokumentieren, falls sie sich über die Zeit verändern.

Ist dies aber überwunden, kann der Verdacht per Kernspintomograph sehr exakt überprüft werden. Auch ein MRT wird häufig zur Abklärung genutzt, welches ebenfalls gute Ergebnisse erzielen kann.

Röntgen bringt in diesem Falle übrigens nicht viel, da eine Bandscheibe die dabei eingesetzte Strahlung durchlässt.

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Unter anderem folgende Fragen werden beantwortet:

  • Was ist ein Bandscheibenvorfall? Und was nicht?
  • Welche Arten von Bandscheibenvorfällen gibt es? Und wie finde ich heraus welche ich möglicherweise habe?
  • Anhand welcher Symptome kann ich herausfinden, ob ich einen Bandscheibenvorfall habe?
  • Wie laufen Diagnose und Differentialdiagnose ab?
  • Welche Möglichkeiten habe ich außer einer Operation im Ernstfall? Wann ist welche angebracht?
  • Wie beuge ich Bandscheibenvorfällen vor? Was muss ich tun, wenn ich bereits einen hatte?
  • Und vieles mehr.

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten bei Bandscheibenvorfällen?

Hier kommt eine sehr gute Nachricht: Bandscheibenvorfälle in dieser Region werden oftmals von selbst kleiner und können sogar gänzlich verschwinden!

Dies ist natürlich nicht immer gegeben, passiert aber doch vergleichsweise häufig, sofern der Schaden nicht zu gravierend ist.

Aus diesem Grund können etwa 90% aller Bandscheibenvorfälle der LWS konservativ, also ohne eine Operation behandelt werden.

Dabei werden vor allem Krankengymnastik und Übungen angewandt, die später auch zu Hause ausgeführt werden können.

Schmerzen und gereizte Nerven können, je nach Fall, mit entsprechenden Medikamenten gut entschäft werden. So werden auch entstehende Schutzhaltungen, die Ihrerseits wieder zu Problemen führen, direkt entkräftet.

Sollte es allerdings bereits zu schwerwiegenden Lähmungserscheinungen oder gar Ausfällen von Nervensystemen kommen, bleibt oftmals nur die OP.

Dabei gilt die Faustregel:

Je mehr Zeit vergeht, desto wahrscheinlicher ist es, dass große und langfristige Schäden auftreten.

Denn je länger Druck auf die Nervenwurzeln ausgeht, desto wahrscheinlicher ist es z.B., dass diese dadurch abstirbt oder verkümmert.

Auch wenn innerhalb der klassischen 6-8 Wochen durch eine konservative Behandlung kein Erfolg erzielt werden kann, ist dies oftmals ein Zeichen für eine OP-Notwendigkeit.

Solltest du um eine OP nicht herumkommen, gilt es folgendes zu beachten:

  • In den meisten Fällen reicht eine mikrochirurgische OP
  • Dabei wird ein kleiner Schnitt gesetzt, durch welchen die Instrumente eingeführt werden und der Bandscheibenvorfall behoben wird (Meist nicht länger als 3cm)
  • Meistens gilt es einige wenige Nächte in der Klinik zu verbringen (1-3 sind üblich)
  • Die mobilisierende Nachbehandlung beginnt oft noch am Tag der OP
  • Manchmal wird ein Stützkorsett verschrieben, welches ca. 6 Wochen zu tragen ist
  • Etwa nach dieser Zeit kann auch die Arbeit wieder aufgenommen werden
  • Leichter Sport wie Schwimmen und Radfahren sind ebenfalls etwa ab diesem Zeitraum wieder möglich
  • Intensiverer Sport kann nach etwa 3 Monaten wieder begonnen werden

Es gibt natürlich eine Vielzahl verschiedener Mikrochirurgischer Operationsmöglichkeiten, welche individuell besprochen werden müssen.

Sollte diese Option nicht zu debatte stehen, ist es auch möglich eine normale Operation durchzuführen. Hierbei unterscheiden sich die individuellen Parameter allerdings zuweilen stark von Fall zu Fall, weshalb eine generelle Beschreibung schwierig ist, bzw. den Rahmen dieses Artikels sprengt.

Wie beuge ich einem LWS Bandscheibenvorfall vor?

Nachdem wir vorhin mit der guten Nachricht angefangen haben, kommt jetzt die schlechte zuerst: Einem Bandscheibenvorfall kann man nicht gezielt vorbeugen. Auch keinem Bandscheibenvorfall LWS. (Sorry) Es gibt leider nicht die eine Übung oder den konkreten Übungsablauf welche einem Bandscheibenvorfall LWS/HWS/BWS entgegenwirkt.

Was uns direkt zur guten Nachricht führt: Wenn du etwas gegen einen (drohenden) Bandscheibenvorfall tun möchtest, helfen dir nahezu alle „normalen“ Rückenübungen. Diese verringern nicht nur das Risiko eines Bandscheibenvorfalls LWS/HWS/BWS enorm, sie wirken auch fast allen anderen Rückenschmerzen entgegen.

Du kannst so also viele Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn man so möchte. Wenn das mal keine guten Nachrichten sind 😉

Wie genau machst du das am besten? Gehen wir die Liste mit den wichtigsten generellen Tipps durch:

  • Training des Kerns (Rücken- und Bauchmuskeln)
  • Vermeidung von Übergewicht (Einer der größten Gefährdungsfaktoren da dies vor allem die Bandscheiben stark belastet)
  • Heben und überkopf-Bewegungen nur mit der richtigen Technik ausführen (aus der Hocke und den Beinen statt dem Rücken die Kraft nehmen)
  • Bei langen, sitzenden Tätigkeiten auf die richtige Haltung und Körperspannung achten (vor allem für Bürojobs elementar)
  • In langen und passiven Zeitabschnitten immer mal wieder zwichendurch aufstehen, ein wenig umherlaufen und sich strecken (Ebenfalls wieder vor allem bei Pendlern und Bürojobs)
  • Ergonomische und verstellbare Sitz- und Schlafmöglichkeiten nutzen (verstellbare Lehnen sind z.B. ein wichtiges Element)
  • Wichtig ist auch richtiges, individuell angepasstes Schuhwerk zu tragen (Dies wird gern vergessen, doch wirkt jeder einzelne Schritt immer auch auf die Wirbelsäule ein)
  • Auch elementar, wenn auch nicht direkt als klassische Übung: der Lebensstil. Rauchen & Trinken greifen irgendwann wahrscheinlich auch die Bandscheiben an. (Und schon gibt es einen weiteren Grund mit dem Rauchen aufzuhören, es wird immer besser, oder?;)

Lass dein Leben nicht von deinem Rücken bestimmen.

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Fazit

Ein lumbaler Bandscheibenvorfall bzw. Bandscheibenvorfall LWS hat aufgrund seiner Position und Aufgabe im Körper einige Spezialeigenschaften.

Wenn man diese aber ersteinmal kennt, kann man gezielt gegen Abnutzungs- und Degenerationserscheinungen vorgehen. Und das oftmals mit relativ einfachen Mitteln. Da es keine spezifischen Übungen gegen Bandscheibenverletzungen gibt, helfen hier die meisten Rückenübungen. Und da dies eines meiner zwei Schwerpunktthemen ist, kann ich dir dabei sehr gut helfen. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, schau dir meine Übersichtsseite zum Rückentraining an.

Zu den Beschwerden kann man sagen das, wenn diese nicht zu zahlreich und widersprüchlich sind, relativ exakt die genaue Quelle bestimmen kann.

Und die darauf folgende Behandlung ist oftmals vielversprechend und kommt meistens ohne OP aus.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel weiterhelfen, wenn du Fragen hast, schreib sie mir einfach in die Kommentare 🙂