Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule? Nicht mit nach diesem Artikel!

22. Juni 2017

„Verdammt ich habe wahrscheinlich einen Bandscheibenvorfall HWS“

„Mein Arzt meint ich habe einen Bandscheibenvorfall HWS – ich habe aber schon wieder vergessen was das bedeutet, ich hoffe es ist nichts Schlimmes!“

Wenn du dich gerade diese oder vergleichbare Sätze und Fragen murmeln hörst / schon einmal ähnliche Sätze gesprochen hast, bist du in diesem Artikel goldrichtig.

Denn in diesem Artikel geht es um Bandscheibenvorfälle im HWS – Bereich. Was das ist und wie es jetzt weitergeht, damit setzen wir uns im Folgenden auseinander.

Wenn du mehr zu diesem Thema generell wissen möchtest, empfehle ich dir meinen Übersichtsartikel zum Thema Bandscheibenvorfälle. Wenn du mehr zu Bandscheibenvorfällen der BWS oder der LWS wissen möchtest, bist du hier (Bandscheibenvorfälle der BWS) bzw. hier (Bandscheibenvorfälle der LWS) richtig.

Fangen wir also an, in diesem Artikel werde ich u.a. folgende Themen näher beleuchten:

  • Wofür steht das Kürzel „HWS“?
  • Was sind die Symptome eines Bandscheibenvorfalls der HWS?
  • Was sind die Ursachen eines HWS-Bandscheibenvorfalls?
  • Wie behandelt man einen HWS-Bandscheibenvorfall?
Artikelserie zum Thema Bandscheibenvorfall

Und wie immer findest du im Artikel das Thema des heutigen Artikels zusammengefasst und visuell aufbereitet als Infografik zum Thema.

Wofür steht das „HWS“ in „Bandscheibenvorfall HWS“?

Bandscheibenvorfall HWSHWS steht für das H, das W und das S in „Hals Wirbel Säule“. Es ist also keine klassische kryptische Abkürzung von eloquenten Medizinern sondern vielmehr eine reine Zusammenfassung zum Vereinfachen.

Die Halswirbelsäule erstreckt sich dabei vom Wirbel C1 bis zum C7 und umfasst damit ungefähr das obere Fünftel deiner Wirbelsäule.
Verletzungen in diesem Bereich werden auch zervikaler Bandscheibenschaden- oder Vorfallgenannt.

Etwa 5-10% aller Bandscheibenvorfälle betreffen diesen Bereich.
Die meisten Patienten erleiden hier einen Bandscheibenvorfall im Alter von 40 bis etwa 60 Jahren.

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls der HWS

Nachdem wir uns nun die Bedeutung und Lokalisierung angeschaut haben, kommen wir nun zu den Symptomen eines HWS-Bandscheibenvorfalls.

Von diesen gibt es eine ganze Menge, die häufigsten dabei sind:

  • Schmerzen an der Stelle der Verletzung
  • Bis in die Glieder ausstrahlende Schmerzen
  • Taubheitsgefühle in den Gliedern, vor allem Fingern, Armen und Händen (passiert vor allem, wenn ausgetretenes Material des Gallertkernes auf die Nerven drückt)
  • Bewegungsprobleme unter Schmerzen
  • Muskellähmungen
  • Verstärkung der Schmerzen in der Nacht
  • Nacken- und Schulterschmerzen
  • Querschnittslähmung in schweren Fällen (Wenn das verrutschte Gewerbe auch auf das Rückenmark drückt)
  • Atemprobleme (Auch hier ausgehend von der Quetschung des Rückenmarks)
  • Kontinenzprobleme
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Empfindungsstörungen

Aufgrund dieser Vielzahl von verschiedensten Symptomen sind Fehldiagnosen keine Seltenheit. Deshalb ist es hier noch wichtiger als sonst, möglichst gründlich bei der gemeinsamen Diagnose mit dem Arzt zu sein.

Und genau aus diesem Grund gilt hier:

In den eigenen Körper hineinhören, spüren was sich wie verändert und bei anhaltendem bzw. starkem Schmerz zu einem Arzt gehen.

Denn nur so lassen sich schlimmere Auswirkungen und Folgeschäden sicher vermeiden. Da sich die Symptome über die Zeit verändern können, sollte man sie ggf. notieren. Denn so kann man auch eine Veränderung des ggf. verschobenen Gewebes direkt mit einbeziehen. Dies kann dem behandelnden Arzt sehr helfen.

Nachdem wir uns die Symptome näher angeschaut haben, ist es nun Zeit die Ursachen für diese näher zu untersuchen.

Ursachen

Die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall im Halswirbelsäulenbereich sind so vielfältig wie seine Symptome.

Auch hier lohnt es sich daher mit einer Übersicht zu beginnen:

  • Über- bzw. Fehlbelastungen sind die häufigsten Gründe für Bandscheibenverletzungen
  • Vorangegangene Abnutzungen durch Alter und Aktivität wie z.B. Leistungssport begünstigen ggf. Verletzungen
  • Schnelle und harsche unnatürliche Bewegungen von Kopf oder Schultern sind ebenfalls oft Grund für Verletzungen
  • Auch eine schwache Muskulatur kann hierbei mit hineinspielen

Es gibt verschiedenste mögliche Ursachen für Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule. Generell spielen Lebensstil, Aktivität & Risikofaktoren hier eine starke Rolle. (Warum genau, führe ich in dem verlinkten Artikel näher aus)

Davon abgesehen erhöht ein hohes Alter die Wahrscheinlichkeit für eine Verletzung stark.

Denn je älter du wirst, desto starrer und härter werden die Bandscheiben deiner Wirbelsäule. Und mit sinkender Elastizität sowie Flexibilität und dadurch geringerer Stabilität wird dein Bewegungsapparat anfälliger.

Diese drei Kerneigenschaften bringen aber nicht nur Gefahren für die Bandscheiben mit sich. Auch deine Wirbelgelenke sind von einer Lockerung bedroht wenn die Rahmenbedingungen schlechter werden. Und dies wiederum führt dazu, das die Bandscheiben stärkeren Kräften ausgesetzt sind und abgenutzt werden.

Was du tun kannst

Dieses Triumvirat lässt sich allerdings bis zu einem gewissen Teil durch TrainingRisikobewusstsein und einem gesunden und vernünftigen Lebensstil in Schach halten.
Und ohne diese 3 Möglichkeiten zu beachten kann es dir auch in jungen Jahren schon passieren, dass du deine Halswirbelsäule beschädigst.
Denn z.B. schnelle und harte Dreh- und Stauchbewegungen des Kopfes sind Gift für die HWS.
Trage also beim Bungeejumping und Snowboarden zumindest immer einen Helm welcher auch den Nacken schützt!

Der letzte große Teilbereich der Ursachen sind Fehlhaltungen und chronische Überbelastungen.

Wenn du z.B. lange Zeit keinen Sport- , oder Sport jahrelang falsch machst, kann dies schlimme Folgen haben.
Denn dadurch festigen sich Muskeldysbalancen und Ungleichgewichte im gesamten Körper. Diese führen zu Schäden und folgenschweren Veränderungen im ganzen Körper.

Wenn du zum Beispiel über Jahre falsch läufst weil du eine unbehandelte Fußverletzung hast, kann die daraus entstehende Schutzhaltung Bandscheibenvorfälle begünstigen bzw. verursachen. Denn die entstehende Fehlhaltung sorgt für einseitig unterentwickelte Muskeln, welche wiederum deine Knochen und Wirbel einseitig ziehen und belasten, was wiederum zu Verletzungen bei Alltagstätigkeiten führen kann.

Deshalb ist Körperbewusstsein so essentiell, denn es lässt einen ein Radar dafür entwickeln, in welchem Zustand der eigene Körper gerade ist.

Bandscheibenvorfälle müssen nicht sein!

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  • 6 einfache und leicht verständliche Kapitel
  • Checklisten zu allen Behandlungsmethoden inklusive voraussichtlicher Behandlungsdauer, Klinikaufenthalt, Arbeitsunfähigkeit, Fahrtüchtigkeit und Sporterlaubnis

 

Unter anderem folgende Fragen werden beantwortet:

  • Was ist ein Bandscheibenvorfall? Und was nicht?
  • Welche Arten von Bandscheibenvorfällen gibt es? Und wie finde ich heraus welche ich möglicherweise habe?
  • Anhand welcher Symptome kann ich herausfinden, ob ich einen Bandscheibenvorfall habe?
  • Wie laufen Diagnose und Differentialdiagnose ab?
  • Welche Möglichkeiten habe ich außer einer Operation im Ernstfall? Wann ist welche angebracht?
  • Wie beuge ich Bandscheibenvorfällen vor? Was muss ich tun, wenn ich bereits einen hatte?
  • Und vieles mehr.

Die Behandlung vom Bandscheibenvorfall HWS

Bei Bandscheibenvorfällen gibt es in der Regel drei mögliche Therapieoptionen. Es gibt die konservative, die alternative und die konventionelle Therapie. Schauen wir uns jede dieser Optionen für den Bandscheibenvorfall HWS konkret an:

Variante 1: Die konservative Therapie bei einem HWS-Bandscheibenvorfall

Konservativ bedeutet im Behandlungskontext immer ohne Operation. Hier wird also geschaut, wie man dem Bandscheibenvorfall beikommen kann, ohne mit schwerem Gerät und möglichst ohne bleibende Wirkungen zu arbeiten.
Die Palette der Möglichkeiten ist dabei generell lang. Welche Optionen konkret in Frage kommen, hängt allerdings immer vom individuellen Fall ab.

Ich habe zur besseren Übersicht die Möglichkeiten in mechanischmedikamentös und thermal unterteilt. Damit sind alle äußeren physischen Einwirkungen, Wirkstoffe und Methoden welche mit Hitze und Kälte arbeiten zusammengefasst.

Manche Therapieformen wie z.B. die Massage sind doppelt aufgezählt, da diese in verschiedene Kategorien zeitgleich passen, je nach Schwerpunkt der individuellen Anwendung.

Mechanische Therapie Medikamentöse Therapie Thermale Therapie
Halskrause Schmerzmittel Wärmende Bäder
Massagen Mittel zur Muskelentspannung Massagen
Krankengymnastik Entzündungshemmende Medikamente Kälteanwendungen (meist weniger wirksam als Wärme)
Rückenschule Infrarotanwendungen
Entspannung- und Lockerungsübungen
Kraft- und Ausdauertraining

Bei der konservativen Therapie im Allgemeinen, wie auch vom Bandscheibenvorfall HWS gibt es ein paar Faustregeln, die in der Mehrzahl der Fälle gelten:

  • Wärmebeinhaltende Therapieformen sind meist besser als Kältebeinhaltende

Diese Grobregel gilt, da Wärme entspannt und löst, während Kälte eher Entzündungsherde eindämmt. Das macht kälte oftmals besser einsetzbar bei akuten Fällen, lässt Wärme aber bei langfristigen Therapien oft wirkungsvoller sein.

  • Chiropkratische Maßnahmen sind mit Vorsicht zu behandeln

Die Medizin ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend von gezielt streckenden und stauchenden Behandlungsformen weggerückt. Denn gerade bei instabilen Krankheitsbildern wie dem Bandscheibenvorfall ist das Risiko einer Verschlimmerung oftmals ziemlich hoch. Dies gilt besonders im Kopfbereich, da hier Verletzungen am schwerwiegensten sind. Du kannst dir also merken: Bandscheibenvorfall HWS = Nur chiropraktisch strecken & dehnen wenn ausdrücklich verordnet.

  • Bei länger anhaltenden bzw. chronischen Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule kann Training helfen

Ein auf den individuellen Fall abgestimmtes Trainingskonzept kann chronische Beschwerden oftmals am effektivsten beseitigen. Je nach Fall kann dabei eine Kombination aus Ausdauer-, Beweglichkeits-, Stabilitäts-, und Krafttraining sinnvoll sein.

Variante 2: Alternative Heilmethoden eines Bandscheibenvorfalls der HWS

Die alternativen Methoden fallen genau genommen ebenfalls ins konservative Behandlungsspektrum, da sie ohne Operation auskommen. Während die konservative Therapie sich dabei aber eher auf „bewährte und validierte“ Methoden verlässt, sind alternative Heilmethoden eher „spiritueller“ Art. Damit meine ich keine tanzenden Schamanen, sondern eher psychologische und kognitive Veränderungen sowie die Selbstheilungsfunktion des Körpers im Zentrum der Behandlung.

Deshalb stehen hier Behandlungsmethoden im Fokus wie z.B.:

  • Osteopathie
  • Akupunktur
  • Homöopathie

Auch hier gehört ein Training der Muskulatur und Rückenschule oftmals mit dazu, doch hier ist der Fokus eher auf dem Körper als auf der Behandlungsmethode. Es gibt dabei kein gut oder schlecht, sondern wie immer nur: Was am besten für den Patienten ist, muss auch der Patient selbst mitentscheiden. Doch genau dafür muss er alle Möglichkeiten kennen.

Einfach den Arzt des Vertrauens fragen, was er denn für passend hält.

Variante 3: Die Operation beim Bandscheibenvorfall HWS (Die konventionelle Behandlung)

Wenn die Verletzung schwerwiegend und stark beeinträchtigend ist, kommt man meist nicht an einer OP vorbei.
Auch wenn die vorangegangenen genannten Therapieformen nicht helfen oder es sich im Gegenteil sogar noch verschlimmert, ist eine Operation oft unvermeidlich.

Hierbei gibt es, je nach Schwere der Verletzung, zwei Möglichkeiten:

  1. Die minimalinvasive Behandlung
  2. Die chirurgische Behandlung

Diese unterscheiden sich vor allem in der „Intensität“ der Operation; Während bei chirurgischen Eingriffen verhältnismäßig große Schnitte und Veränderungen ausgeführt werden, wird bei der minimalinvasiven Behandlung mit weit kleineren Schnitten, Drähten und Kanälen gearbeitet.

Weiterhin gibt es bei der Operation selbst zwei Möglichkeiten des Eingriffs:

  1. Von vorn, auf Höhe des Kehlkopfes
  2. Von hinten, auf Höhe des Nackens

Es stehen dabei nicht bei jeder Operationsmethode zwangsläufig beide Möglichkeiten zur Verfügung und es ist auch nicht immer sinnvoll die eine oder die andere in Betracht zu ziehen.

Die Bandbreite des Eingriffs reicht dabei von der Beseitigung des schädigenden Materials über die Stabilisierung des gefährdeten Gewebes bis hin zum Ersatz von defekten Bandscheiben.

Fazit

Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule sind relativ selten. Nichtsdetotrotz können sie schwere Beeinträchtigungen und Verletzungen mit sich bringen. Und auch sie zu lokalisieren ist nicht immer ganz einfach. Doch mit den Tipps die du hier bekommst, dürfte es dir etwas leichter fallen.

Denn sobald du die wichtigsten Informationen zum Bandscheibenvorfall HWS im Hinterkopf hast, kannst du ganz anders damit umgehen.

Sobald du weißt, dass Alter, Drehbewegungen & Fehlhaltungen die 3 Dinge sind, auf die du achten solltest, kannst du anders mit der Gefahr umgehen.

Sobald du weißt, dass es grundverschiedene und dennoch für sich genommen wirksame Behandlungsmethoden gibt, kannst du entspannter im Falle einer Verletzung sein.

Und sobald du weißt, auf was du verstärkt achten musst, nach was du suchen musst wenn du in dich hineinhörst, kannst du im Alltag beruhigter mit eventuellen Risiken umgehen.

Ich hoffe dieser Artikel konnte dir bei deinen Fragen zum Thema helfen, falls ich irgendetwas wichtigtes vergessen haben sollte, schreib es mir gern in die Kommentare.

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